Die meisten Australienreisen beginnen in Sydney, und das aus gutem Grund. Die Stadt liegt am Wasser, sie ist zu Fuß und mit der Fähre gut zu erkunden, und sie verlangt nach dem langen Flug keine Planung im Stundentakt. Trotzdem stellt sich die Frage, wie viel Zeit sie verdient, wenn danach noch ein ganzer Kontinent wartet. Drei bis vier Tage sind eine gute Antwort: genug, um anzukommen, die wichtigsten Viertel zu sehen und einen Ausflug ins Umland zu machen, ohne den Rest der Reise zu verkürzen.
Warum Sydney als Anfang funktioniert
Nach mehr als zwanzig Stunden in der Luft braucht der Körper etwas Einfaches: Tageslicht, Bewegung, ein überschaubares Ziel. Sydney liefert genau das. Der Hafen ist das Zentrum, von dort führen Fähren in fast alle Richtungen, und die meisten Sehenswürdigkeiten liegen am Wasser oder in Gehweite davon. Wer den ersten Tag im Freien verbringt, schläft in der ersten Nacht besser und ist am zweiten Tag im australischen Rhythmus.
Dazu kommt ein praktischer Grund. Von Sydney aus gehen Inlandsflüge in alle Landesteile, und wer die Ostküste befährt, startet hier ohnehin. Die Stadt ist also nicht nur der erste Halt, sondern das Drehkreuz, von dem die eigentliche Rundreise ausgeht.
Tag eins: der Hafen und The Rocks
Der erste Weg führt fast immer zum Opera House, das zum UNESCO-Welterbe gehört, und zur Harbour Bridge. Beides lässt sich von der Uferpromenade aus in einer Runde erlaufen. Wer hinauf will, hat zwei Möglichkeiten: den Pylon Lookout in einem der Brückenpfeiler oder den BridgeClimb über den Bogen selbst. Unterhalb der Brücke liegt The Rocks, das älteste Viertel der Stadt, mit engen Gassen, Sandsteinhäusern und Märkten am Wochenende.
Am Nachmittag bieten sich die Royal Botanic Gardens an, die direkt am Opera House beginnen und sich am Hafen entlangziehen. Wer sich zum Stichwort reisen Sydney einliest, findet dort auch Darling Harbour und den Sydney Tower Eye, von dem aus sich die Stadt und ihre Lage zwischen Hafen und Küste am besten begreifen lassen. Für den Abend reicht ein Platz am Wasser mit Blick auf die beleuchtete Brücke.
Tag zwei: Viertel und Strände
Sydney besteht aus Dörfern, und die interessantesten liegen ein Stück vom Hafen entfernt. Surry Hills mit seinen Cafés und kleinen Läden, Newtown mit Studenten, Streetart und Buchhandlungen, Darlinghurst als Ausgehviertel, Chippendale mit Galerien, Marrickville mit Brauereien und Bäckereien. Balmain erreicht man am schönsten mit der Fähre, und Parramatta im Westen zeigt, wie groß und vielfältig die Stadt jenseits der Postkartenmotive ist. Ein Vormittag in zwei dieser Viertel sagt mehr über das heutige Australien als jedes Museum.
Der Nachmittag gehört den Stränden, und davon hat Sydney mehr als hundert. Die bekanntesten sind Bondi und Manly. Von Bondi führt ein Küstenweg nach Coogee, der über Klippen und an kleinen Buchten vorbeiläuft und in etwa zwei Stunden zu gehen ist. Manly liegt auf der anderen Seite des Hafens und wird mit der Fähre erreicht, die selbst schon ein Ausflug ist. Von dort startet der Manly Scenic Walkway entlang der Hafenufer.
Tag drei oder vier: raus aus der Stadt
Ein Tag im Umland gehört zu Sydney dazu, und die Auswahl ist groß. Die Blue Mountains im Westen sind mit dem Zug oder dem Mietwagen erreichbar. Ihr Name kommt vom bläulichen Dunst, den die Eukalyptusbäume über den Tälern erzeugen, und die Aussichtspunkte an den Sandsteinklippen lohnen den frühen Aufbruch. Das Hunter Valley im Norden ist die Weinregion der Umgebung, mit Weingütern, die Verkostungen und Mittagessen anbieten. Wer lieber wandert, findet im Royal National Park, dem ältesten Nationalpark Australiens, und im Ku-ring-gai Chase Küstenpfade und Buchten, die auch am Wochenende nicht überlaufen sind.
Bei drei Tagen muss man sich für einen dieser Ausflüge entscheiden. Bei vier Tagen passen zwei, oder ein Ausflug mit Übernachtung, was den Blue Mountains besonders gut tut.
Und dann weiter
Sydney ist der Anfang, nicht das Ziel. Wer sich vor der Abreise zum Thema reisen Australien informiert, merkt schnell, dass drei Wochen das Minimum für den Kontinent sind und dass es sich bewährt, zwei bis drei Nächte an jedem Ort zu bleiben, statt jeden Tag weiterzuziehen. TravelEssence nennt diese Art des Reisens Mikro-Tourismus: weniger Orte, mehr Zeit an jedem einzelnen, Unterkünfte bei Gastgebern, die die Gegend kennen. Great Barrier Reef, Uluru, Great Ocean Road oder eine Fahrt mit dem Ghan quer durch das Land sind dann die nächsten Etappen. Wer Sydney in drei bis vier Tagen bewusst erlebt hat, weiß, in welchem Tempo er den Rest des Landes sehen möchte.

